Predigt mit Jesaja 9,1-6
Text der Reihe IV zur Christvesper am Heiligen Abend
gepredigt in Stetten a.H. am 24.12.2011
Liebe Gemeinde,
Was bedeutet Weihnachten für dich? Was bedeutet Weihnachten für Sie?
Wir haben uns im Konfirmandenunterricht darüber Gedanken gemacht und verschiedene Personen uns vorgestellt. Dabei sind diese Szenen herausgekommen, wie wir sie eben gespielt haben.
Eine Familie am Heiligen Abend, die Eltern, die Kinder, der Opa, der sonst im Seniorenheim lebt. Die Arbeit im Geschäft und zuhause, die Zeit miteinander, die Geschenke – das sind Dinge, die da eine Rolle spielen. Das passt ganz gut zu einer Sendung, die ich gestern Abend im Fernsehprogramm von RBB für Berlin-Brandenburg gesehen habe: „30 Gründe Weihnachten zu lieben“. Grund Nummer 2: Die Geschenke. Grund Nummer 1: Die Familie.
Eine ganz andere Welt zeigt sich in der Straßenszene. Obdachlose, die es natürlich auch an Weihnachten gibt und die an Weihnachten vielleicht einwenig mehr in ihrem Becher haben. Jugendliche, die nicht zuhause feiern wollen. Ein Manager, der arbeiten muss, wie auch Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten, Pfarrer und viele andere arbeiten müssen am Heiligen Abend.
Und dann die Szene aus der Weihnachtsgeschichte selbst, der Stall von Bethlehem. Was bedeutet da Weihnachten? Die Geburt des Kindes, geht es dem Kleinen gut? Das steht natürlich für Eltern im Mittelpunkt. Die Hirten und die Weisen, die haben eher eine Botschaft im Kopf. Der Engel sagte zu den Hirten: Euch ist heute der Heiland geboren. Die Weisen suchen einen neugeborenen König und finden ein Kind in einer Krippe. Der eine ist skeptisch, der andere überzeugt: Das Kind wird einmal ein großer König werden.
Weihnachten – ich denke, wir hätten noch viele andere Statements und Meinungen spielen können und wären in einer Stunde noch nicht fertig gewesen, so unterschiedlich wird dieses Fest wahrgenommen, so unterschiedlich wird es gefeiert, so unterschiedlich ist es in seiner Bedeutung für uns. Und was uns heute daran wichtig ist, kann im nächsten Jahr schon überholt sein und etwas Anderes ist uns dann wichtig.
Was bedeutet Weihnachten für dich? Was bedeutet Weihnachten für sie?
Ich möchte noch eine Frage anschließen: Was bedeutet Weihnachten eigentlich für Gott?
Er hat das schließlich erfunden, das mit der Krippe und dem Stall. Was bedeutet das für ihn? Das wäre sicher eine vierte Szene wert gewesen, eine Szene im Himmel mit Engeln und so. Nur dann hätte ich ihn nicht so ohne weiteres interviewen können. Egal wie wir das angestellt hätten, es hätte nur lächerlich wirken können. Einen alten Mann mit einem weißen Bart? Nee!
Es ist auch schwierig als Mensch in seine göttlichen Gedankenkreise einzutauchen. Wie sollten wir mit unserem Verstand seine Gedanken erfassen können. Auch das geht nicht.
Aber etwas anderes geht: Hinhören, was er selber Menschen zu anderen Zeiten schon erklärt hat. Denn das geht sehr wohl. Gott ist immer schon unterwegs, von Anfang an seiner Geschichte mit uns Menschen, um sich uns Menschen mitzuteilen, sich zu offenbaren. Auch seine Idee mit Weihnachten und seinem Sohn gehört dazu. Davon hat er Menschen erzählt, der Maria zum Beispiel durch den Engel Gabriel oder den Hirten von Bethlehem, denen ganz viele Engel erschienen sind. Doch allen voran stehen die Propheten aus dem Alten Testament, die in ganz unterschiedlichen Zeiten eine Ahnung von dem bekommen haben, was Gott vorhat.
Ich lese einmal wie das beim Propheten Jesaja steht:
91 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. 3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. 4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; 6 auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
Was bedeutet Weihnachten für Gott?
1. Hoffnung für die Menschen
Schon in der Ankündigung, dass sein Sohn in die Welt kommt und als Kind geboren wird, lässt er ein Licht der Hoffnung aufleuchten und über hunderte von Jahren haben Menschen aus dieser Hoffnung Kraft geschöpft für ihr Leben.
2. Freude und Frieden für die Menschen
Die Geburt dieses Kindes wird eine große Freude auslösen. Die Geburt des Kindes wird Freiheit bringen. Die Geburt des Kindes gibt dem Leben des Volkes Israel und der Menschen überhaupt eine neue Qualität, eine neue Richtung. Frieden, oder wie es hebräisch heißt „Shalom“ und das ist mehr als nur kein Streit. Schalom heißt: Zufireden sein, schalom heißt mit Gott im Reinen sein. Schalom heißt, das Leben in dieser Welt aus Gottes Geist gestalten. Schalom heißt: Leben wie Gott sich unser Leben gedacht hat.
3. Erwartung und Sehnsucht für die Menschen
Wenn man diese Worte des Jesaja hört, dann wissen wir auch, dass manches sich noch nicht erfüllt hat. Es gibt noch viel zu viele Stiefel, die mit Gedröhn einhergehen auch in diesen Weihnachtstagen und viel zu viele Menschen müssen sich ihre Soldatenmäntel anziehen und ihre Waffen packen um ihr Leben aufs Spiel zu setzen.
Aber das haben wir im Advent gelernt: Jesus ist in unsere Welt gekommen als Kind in der Krippe um den Schalom schon hier und heute zu ermöglichen, auf den wir zugehen, wenn Gott seine neue Welt aufrichtet in Ewigkeit.
Das Kind in der Krippe ist schon gekommen, der Sohn ist schon geboren,
auf den Weltenherrscher Jesus warten wir noch.
Genau das aber ist Weihnachten, wie es im Stall von Bethlehem zu erfahren ist und wie auch wir Weihnachten feiern können. Als Freudenfest über Gottes Weg mit uns Menschen. Dass der große Gott so menschlich wird als kleines Kind und das Unmögliche möglich macht: Dass wir seine Kinder werden.
Gottes Sohn wird Mensch wie wir, damit wir Menschen Gottes Söhne und Töchter werden wie er.
Was bedeutet Weihnachten für sie und für mich? Ich denke diese Frage müssen wir jedes Jahr neu überlegen und beantworten. Wenn uns unsere Antwort an die Krippe führt und wir darüber staunen was Gott mit diesem Kind in der Krippe in Gang gesetzt hat, dann sind wir auf dem Weg, dass Weihnachten auch unser Leben verändert zum Schalom Gottes, zu seinem Frieden. Wenn das Kind in der Krippe der erste Grund ist, Weihnachten zu lieben, dann können wir noch 30, 40, 50 weitere Gründe finden, Weihnachten zu lieben und dann erst ist die Familie ein wichtiger Grund und die Geschenke und wir können uns von Herzen über all das freuen. Dann bringt uns auch kein Weihnachtsstreit oder ein unpassendes Geschenk durcheinander. Dann wird sein Frieden uns bestimmen und das Weihnachtsfest wird uns zum Segen.
An der Krippe und unter dem Kreuz wird Weihnachten entschieden und nicht unter dem Weihnachtsbaum. Amen.
Pfarrer Martin Bulmann, Stetten am Heuchelberg
